Guggemol een Hänger

Mit dem Chariot Comfort im Elbsandsteingebirge

„Ei verbibscht, nü so was hab isch ja noch nie gesähn“. So oder ähnlich begannen viele nette Gespräche mit Einheimischen wegen unseres brandneuen Kinder-Fahrrad-Anhängers Chariot Comfort DeLuxe“. Vor allem, wenn wir mit dem als Laufkinderwagen umgebauten roten Renner in den Städten unterwegs waren, wurden wir sehr oft, aber immer freundlich, auf unser „UFO“ (Unbekanntes Fahr(rad)anhänger-Objekt) angesprochen.

Die Sächsische Schweiz und die angrenzende Böhmische Schweiz als Reiseziel für Fahrrad und Kinderanhänger mag auf den ersten Blick nicht unbedingt optimal gewählt sein, denn die markante Sandsteinlandschaft mit so imposanten Tafelbergen wie dem Lilienstein, Felsennadeln wie der Barbarine und den oftmals canyonartigen Flusstälern, senkrechten Felswänden, Höhlen und tiefen Schluchten erscheint eher als Wander- und Kletterparadies geeignet. Mit ein wenig Überlegung, entsprechender Planung und adäquater Kondition konnten wir allerdings auch hier schöne Fahrradtouren mit teilweise 50 km Länge abseits von Lärm und Verkehr zurücklegen und die einzigartige Schönheit des Nationalparks und der angrenzenden Schutzzonen genießen. Eine Schönheit, die auch schon Menschen vor über 200 Jahren zu würdigen wussten. Bereits um die Jahrhundertwende kauften reiche Kaufleute im Bewusstsein der Einzigartigkeit der Natur des Elbsandsteingebirges viele Steinbrüche auf und legten sie still. Das Material aus den Steinbrüchen an der Elbe diente unter anderem als Baumaterial für so großartige Bauwerke wie die Dresdner Frauenkirche, die bald wieder aufgebaut sein wird und den Berliner Reichstag. Heutzutage sind nur noch wenige Steinbrüche in Betrieb. Hier gibt es unzählige Schlösser und Burgen, wobei zu den bekanntesten die Festung Königstein, Burg Hohnstein, Stolpen und Schloss Pillnitz gehören. Der Grund dafür ist leicht zu erkennen: dieses Gebiet war Grenzland und die Bürger konnten bei feindlichen Angriffen in der jeweiligen Burganlage Schutz suchen. Den Namen Sächsische Schweiz erhielt das Elbsandsteingebirge übrigens von zwei Schweizer Studenten und Malern, die im 18. Jahrhundert die schöne Landschaft zu Fuß durchquerten und sich ob der wunderschönen Berge und Täler an ihre schweizer Heimat erinnert fühlten.

Unseren Chariot-Anhänger haben wir schon bei der Anschaffung mit Bedacht gewählt. Für mich als praktisch denkenden Menschen war von Anfang an klar, dass nur ein Fahrradanhänger in Frage kommt, der schnell auf- und abgebaut und auch platzsparend aufbewahrt werden kann. Ein taugliches Lüftungssystem und eine feste Wanne (wetterfest !!) sollte er auch haben und zwei Kinder - man(n) denkt ja weiter - sollten komfortabel transportiert werden können. So gab es für uns nach reiflicher Überlegung nur eine Wahl: den Chariot Comfort DeLuxe.

Verschiedenes Zubehör haben wir uns gleich mitbesorgt. Damit im Urlaub nicht auch noch ein Kinderwagen dabei sein musste (wir haben keinen Kleinbus), haben wir uns das Laufwagenset dazugeholt; die dazugehörige Feststellbremse ist übrigens auch beim Fahrradhängerfahren sehr nützlich. Um den Hänger schnell an beide Fahrräder anzukuppeln, gab es eine Weber-Kupplung. Und da meine Frau Christine Angst hatte, dass unsere Tochter Carmen-Maria, 13 Monate alt, nicht weich genug sitzen könnte, gab es auch noch Schaffellkissen für Popo und Rücken. So waren wir gut gerüstet für unseren ersten Fahrrad- und Wanderurlaub mit Klein-Carmen-Maria.

1993 waren Chris und ich schon einmal mit Fahrrädern und Wanderstiefeln in der Sächsischen Schweiz unterwegs. Damals haben wir in Bad Schandau-Postelwitz in direkter Nähe zu den „Sieben-Brüder-Häusern“ an der stark befahrenen B172, die nach Prag führt, übernachtet. Dieses Mal hatten wir uns für ein zentrales, aber dennoch ruhiges Quartier direkt am Lilienstein gegenüber von Königstein entschieden. Zentral, da man zur Stadt und der darüber thronenden Festung Königstein mit einer Fähre übersetzen und viele Sehenswürdigkeiten wie Bastei, Schrammsteine, Pfaffenstein, Barbarine und Bielatal schnell erreichen konnte. Nur eines hatten wir bei der Auswahl unserer Ferienwohnung nicht berücksichtigt: den Höhenunterschied zwischen der Elbe und unserem Weiler Ebenheit. Jeden Abend, wenn wir mit dem Fahrrad oder zu Fuß nach Hause kamen, hatten wir noch einmal ca. 150 Höhenmeter zu bewältigen, und das in einem sehr kurzem Anstieg. So mundete uns das Oberlausitzer Hefeweizen, welches übrigens besser als manches bayerische Hefeweizen schmeckt (!!!), umso besser und die Muskeln an den Waden nahmen von Tag zu Tag zu und unser Schlafbedürfnis auch.

Unsere Vermieter, die Familie Schönfelder, ein junges sportbegeistertes Ehepaar mit zwei Kindern, hatten schon vor der Wende ein altes Bauernhaus gekauft und es mit viel Liebe zum Detail schrittweise in vier Wohnungen umgebaut. Das Haus liegt ca. 400 m vom Lilienstein, dem imposantesten aller Tafelberge im Elbsandsteingebirge entfernt, für die Kinder stehen ein Kletterbaum, Spielzeuge und 60.000 m² Grund zur Verfügung. Gegenüber thront die gewaltige Festung Königstein, die sehr imposante Elblandschaft mit Blick ins Tschechische Grenzland liegt dem Betrachter zu Füßen. Anlässlich eines Barockfeuerwerks auf Königstein konnten wir von unserer Ferienwohnung aus den Festungsblick mit einem Glas Sekt formidabel genießen. Im Elbsandsteingebirge gibt es unzählige Burgen und Schlösser, wobei zu den bekanntesten die Festung Königstein, Burg Hohnstein, Stolpen und Schloss Pillnitz gehören. Der Grund dafür ist leicht zu erkennen: dieses Gebiet war Grenzgebiet und die Bürger konnten bei feindlichen Angriffen in der jeweiligen Burganlage Schutz suchen.

Das Wetter war in den zehn Tagen, die wir im Elbsandsteingebirge verbrachten, leider sehr durchwachsen. Sonne, Regen und Gewitter wechselten sich ab, die Temperaturen lagen, obwohl es Mitte Juni war, meist nicht über 22° C. Unserer Tochter machte das allerdings nichts aus, da sie im Chariot-Hänger mit seinen zwei Abdeckhauben (Fliegennetz sowie Regenverdeck) sehr gut untergebracht war und sich trotz Wind und Wetters ungestört mit ihren Spielsachen beschäftigen konnte.

Samstag nachmittag am Urlaubsort angekommen, checkte ich nach dem Auspacken erst ´mal die topographischen Verhältnisse mit dem Fahrrad ab, wobei ich auf dem Rückweg zu unserer Ferienwohnung auch ohne Anhänger schon ordentlich ins Schwitzen kam. Abends besuchten wir per pedes und Chariot in ca. 2 km Entfernung das Nationalparkfest an der Sellnitz, wo wir uns über die Einzigartigkeit der Flora und Fauna des kleinsten und jüngsten deutschen Nationalparks informieren und uns das erste Mal an den kulinarischen Spezialitäten der Region laben konnten. Der Einfluss der deftigen böhmischen Küche auf die regionale Küche ist bedingt durch die grenznahe Lage sehr stark, ein guter hausgemachter Schweinebraten mit böhmischen Knödeln und Sauerkraut ist aber auch wirklich eine Delikatesse. Das Schwarzbier übrigens auch.

Am nächsten Tag gingen wir das ganze gemütlich an, es sah nach Regen aus und als wir uns dann doch durchgerungen hatten mit dem Fahrrad nach Bad Schandau zu fahren, erwischte uns der Regen dann auch gleich. Kein Problem für uns: kurze Pause, (Nasch-)Vorräte leerfuttern und ab nach Hause. Für den Heimweg wählten wir eine für Fahrten mit dem Anhänger verträgliche Route zu unserem Quartier zurück, nämlich über den Sellnitzgrund zum Lilienstein. Dieser Wanderweg durch den Nationalpark führte gerade mal einen Meter breit an einem Bach entlang unter dunklen Tannen mit weit herunterhängenden Zweigen vorbei an saftigen Wiesenauen hoch zum Lilienstein, den wir das erstemal von Nebeln umwabert sahen. Eine ganz eigene, mystische Stimmung machte sich breit. Von unserem Standort auf dem Hochplateau der Ebenheit konnten wir zusehen, wie sich die ganze Gegend zuzog und auch Festung Königstein und Elbtal in Nebel und Dunst versanken.

Die Bergfestung Königstein auf dem gegenüberliegenden gleichnamigen Tafelberg war dann auch unser Ziel am Montag. Das hieß für uns auf der einen Seite der Elbe den Berg hinunter, mit der Fähre über die Elbe und auf der anderen Seite wieder auf 361 m hoch. Alles kein Problem für unseren Laufkinderwagen, das Handling gegenüber einem normalen Kinderwagen ist einfach phänomenal. Und wenn die Steigung einmal zu stark war (teilweise über 18%), oder es kam eine längere Treppe, haben wir bergauf oder auch bergab unsere Carmen-Maria rausgenommen, den im Leerzustand federleichten Wagen (nur 15 kg) weitergeschoben, über Treppenstufen jongliert oder auch getragen. Oben angekommen konnten wir entlang der 2,2 km Brustwehr einen fantastischen Rundumblick auf das bizarre Elbsandsteingebirge und das Osterzgebirge genießen. Die Festung mit über 750 jähriger Geschichte, verbunden mit historisch bedeutenden Persönlichkeiten wie dem sächsischen Kurfürsten August dem Starken, konnte aufgrund seiner exponierten Lage auf einem Tafelberg und teilweise 40 m hohen Mauern niemals eingenommen werden. Die Feste mit einer Grundfläche von 95.000 m2 war autark, es wurde hier ab 1563 in sechs Jahren sogar ein 153 Meter tiefer Brunnen zur Wasserversorgung in den Fels gegraben. Natürlich werden solche Sehenswürdigkeiten entsprechend fremdenverkehrstechnisch vermarktet und sind demzufolge auch stark frequentiert, aber wir waren erstaunt, dass sich der Touristenrummel an Wochentagen in Grenzen hielt. Selbst am folgenden Freitag, als wir das alljährliche Barockfest auf der Festung besuchten, hatten wir nie den Eindruck, dass der Menschenauflauf und Trubel überhand nahm. Im Gegenteil, unsere Carmen-Maria fühlte sich auf dem weitläufigen Gelände und dem historischen Marktplatzfest mit Gauklern, Spielleuten und Handwerkern sichtlich wohl. Wir auch, gab es denn kulinarische Köstlichkeiten aus drei Jahrhunderten und ein Aufstieg macht bekanntlich hungrig und durstig.

Am Dienstag mussten wir unsere sportlichen Aktivitäten stark zurückschrauben (eine Zwangspause einlegen). Unsere Tochter hatte schon mehrere Nächte schlecht geschlafen und viel geweint. Beim Arzt wurde eine Mittelohrentzündung, die ja gerade für Kleinkinder besonders schmerzhaft ist, diagnostiziert. Der behandelnde Arzt war ein Allgemeinarzt in Königstein, der uns von unserer Vermieterin empfohlen wurde, der nächste Kinderarzt befand sich in Pirna, dem Tor zur Sächsischen Schweiz, was mit dem Auto ca. 1 Stunde (!!!) Fahrtzeit bedeutet hätte. Dabei hatten wir immer gedacht, dass wir in Unterfranken auf dem Land leben. Während Christine unsere Tochter am Spätnachmittag auf einer bereits von Napoleon und seinem Heer auf der Durchreise benutzten Straße an einer kilometerlangen Pappelallee vor unserem Haus spazieren schob, nutzte ich die Gelegenheit zu einer Radtour auf dem fast durchgängig beidseitig ausgebauten, wunderschönen Elberadweg nach Pirna. Unserer Carmen-Maria ging es aufgrund der Behandlung des Arztes nach zwei Tagen wieder deutlich besser.

Am darauffolgenden Tag fuhren wir mit dem Auto in das Bielatal, um anschließend mit den Rädern über die grüne Grenze nach Tschechien zu fahren. Wer schlecht ausgebaute Wegstrecken erwartet hatte, wurde eines besseren belehrt. Die Forstwege auf beiden Seiten der Grenze befanden sich in einem ausgezeichneten Zustand, was wohl daran lag, dass vor der Wende in diesen Jagdrevieren ausschließlich hochrangige Parteikader und –prominenz jagten und keine Schlaglöcher bei der Anreise duldeten. So fuhren wir über Rosenthal nach Kristin Hradek, einem alten Forst- und Gasthaus, wo wir ein fürstliches Mahl in einem herrlichen Biergarten einnahmen. Unsere Tochter wollte dort auch während der Pause immer wieder an und in den Fahrradanhänger; scheinbar hatte sie diesen mitsamt seiner roten Fahne in ihr Herz geschlossen. Wir umrundeten anschließend den hohen Schneeberg (723m) um über Hranicni Bouda nach Ostrov zu fahren. Schon auf dem Weg nach Ostrov sahen wir neben der Straße wunderschöne Gesteinsformationen und Kletterfelsen. Auf der weiteren Fahrt ins Bielatal, einem wahren Kletterparadies, nahmen uns die über 200 Säulen, Türme und Türmchen mit Phantasiebezeichnungen wie „Adam und Eva“ oder „Wachsamer Förster“ in Beschlag. Wie in Trance fuhren wir am mäandernden Bach zur Schweizermühle, wo uns ein jäher Anstieg nach Rosenthal wieder aus unseren Träumen riß. An diesem Tag paßte einfach alles, das Wetter mit herrlichem Sonnenschein, die phantastische Landschaft und eine gute Grundlage im Bauch sorgten dafür, dass wir knappe 60 km gefahren sind. Carmen-Maria, die die Aussicht aus ihrem Hänger sichtlich genoss und von der wir immerzu „eheh“ und „dada“ hörten, war offensichtlich mit ihrem Fahrradanhänger und uns zufrieden.

Damit auch mal andere Muskelpartien strapaziert wurden, gingen wir am nächsten Vormittag auf unseren Hausberg, den Lilienstein. Da hier steile Metalltreppen zu gehen waren, mussten wir auf den Chariot verzichten und setzten Carmen-Maria in unsere Kraxe. Es war ja nicht weit, aber bis wir oben waren, war das T-Shirt durchgeschwitzt. Doch die Aussicht entschädigte für alles. Der Lilienstein mit seinem Felsplateau auf 415 m Höhe und den schroff abfallenden Steilwänden liegt direkt über der Elbe, die ihn an drei Seiten umschließt. Unsere Kleine hat das Ganze nicht besonders interessiert; sie entschied sich dafür, das Panorama dort oben komplett zu verschlafen. Das tat sie an diesem Tag besonders gern, denn auch bei einer nachmittäglichen Wanderung zum Kohlbornstein in der Nähe von Papstdorf schlief sie auch im Laufkinderwagen über zwei Stunden. Die letzte halbe Stunde haben wir sie einfach flach auf die Sitzfläche gelegt, so daß sie bequem liegen und schlafen konnte, während wir unsere mitgebrachten Vorräte zu uns nahmen und die Aussicht auf den Ort Krippen und die Schrammsteine genießen konnten.

Am Freitag besuchten wir - wie schon erwähnt – zu Fuß das Barockfest und holten uns anschließend das o.k. vom Arzt, dass es unserer Tochter wieder besser ging. Nachdem Mutter und Kind den Spätnachmittag etwas ruhiger angehen wollten, machte ich mich alleine auf den Weg, die Sächsische Schweiz zu erkunden. Vorbei an stillgelegten sozialistischen Industriedenkmälern und aufgelassenen Eisenbahnstrecken konnte ich auch an diesem Tag die urwüchsige Natur, die Schönheit der Landschaft und den Einklang der Bauwerke mit der Natur erleben. Ein Beispiel dafür ist der Ort Hohnstein. Die Burg, malerisch oben auf dem Plateau gelegen und die Stadt mit ihren Häusern und Gassen, die sich förmlich unter den Schutz der Burg begeben wollen. Aber nicht weit davon liegt ein Nazidenkmal, eine um 1930 gebaute Rennstrecke mit 12 km Länge, die während der NS-Zeit bereits mehrfach Austragungsort von Autorennen war. Heute ist der Kurs für den öffentlichen Verkehr freigegeben und dient zur Anbindung Hohnsteins an die Bastei und an die Autobahn. An der Rennstrecke befinden sich einige Gasthäuser mit kulinarischen Köstlichkeiten. Die Rennstrecke kann mit dem Fahrrad sehr gut befahren werden, da die Fahrspuren optisch verengt wurden und die Fahrradfahrer quasi die gesperrte „Standspur“ benutzen können. Über Wehlen und den Kurort Rathen kam ich nach 2,5 h und 47 km wieder nach Hause zurück.

Am Wochenende zeigte sich das Wetter eigentlich von seiner schönen Seite. Sonnig und angenehm warm war es, als wir uns auf den Wag machten, den Elberadweg in Richtung Tschechien zu fahren. Wir überquerten die Elbe mit der Fähre, was an mehr als 10 Stellen zwischen Pirna und der tschechischen Grenze möglich ist. Da alle Fähren bis auf zwei Ausnahmen von einer Schifffahrtsgesellschaft betrieben werden, kann man mit Zehnerkarten für insgesamt 3,00 DM pro Fahrt für zweieinhalb Biker, zwei Fahrräder und den Chariot übersetzen. Wieviel das wohl im Westen kostet ?? Die Schifffahrtsgesellschaft betreibt übrigens auch eine veritable Dampferflotte, mit der man Ausflugsfahrten auf der Elbe bis Dresden (Fahrtzeit 3 h) oder auch Prag und zurück mit dem Fahrrad / S-Bahn oder auch wieder mit dem Schiff machen kann. Wir fuhren auf wunderschön gelegenen verkehrsberuhigten (Rad-)Wegen und konnten Bad Schandau, die Schrammsteine und weitere rechtselbische Gesteinsformationen von der anderen Elbseite aus betrachten. Wir sahen das Gewühle und die Menschenmenge am Vietnamesenmarkt auf der anderen Seite direkt hinter der Grenze, bevor uns das Nahen eines Bratwurststandes auf die tschechische Grenze auf unserer Seite hinwies. Es war immer wieder faszinierend für uns, dass an vielen Ecken Bratwurst- und Broilerbuden standen und es vor allen Dingen dort schon am frühen Morgen um 8.00 Uhr Menschen gab, die einen Broiler (Hähnchen) zum hoffentlich wohl zweiten Frühstück verspeisten. Und das Grillpersonal hatte megamäßigen Stress, der Nachfrage Herr zu werden.

Schwarze Wolken aus Richtung Bad Schandau bewogen uns dazu, nicht noch allzu weit zu fahren und auf dem Rückweg in Krippen in einem urgemütlichen Gasthaus einzukehren. Kurze Zeit später war der Himmel wieder strahlend blau, so dass wir gemütlich die restlichen 15 km unseres Heimwegs antraten. Aber schon kurze Zeit später hatte sich alles wieder pechschwarz zugezogen. Von der Elbe aus konnte man sehen, dass um den Lilienstein mehrere Gewitter hingen und es dort kräftig donnerte und blitzte. So fuhren wir mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend wieder Richtung Sellnitzgrund, wo Gewitter und Regen immer stärker wurden und sich der wunderschöne Wanderweg am Bach entlang in einen einzigen Morast und weiter oben in einen „tosenden“ Gebirgsbach verwandelt hatte. Für uns gab es nur die Möglichkeit weiterzufahren, denn die nächste Unterstellmöglichkeit lag 4 km in Fahrtrichtung entfernt. Im Eifer des Gefechtes schnitt ich eine Kurve und sauste mit einem Anhängerrad über eine Wurzel, so dass der Anhänger abhob, sich aber aufgrund seines tiefen Schwerpunktes und seiner Breite wieder stabilisierte. Das alles störte unsere Tochter zum Glück nicht; sie verschlief den beinahe Un(m)fall, das ärgste Donnern und Blitzen, das Prasseln der wolkenbruchartigen Regenfälle, den reissendsten Sturzbach und unseren triefenden Anblick, denn sie wachte erst wieder auf, als wir zuhause in der Ferienwohnung eintrafen. Das Abenteuer hätte uns sicherlich mehr Nerven gekostet, wenn die Kleine während des Wolkenbruchs angefangen hätte zu schreien. Schon als wir den Sellnitzgrund hinter uns gelassen hatten, spitzten die ersten Sonnenstrahlen hervor und am Himmel konnten wir zwei Regenbogen sehen. Nass bis auf die Haut umrundeten wir auf dem restlichen Nachhauseweg noch den wolkenverhangenen Lilienstein.

Aufgrund dieser Erfahrungen und des wechselhaften Wetters am Sonntag zog Christine es vor, zu Hause zu bleiben. Ich allerdings wollte per Bike und ohne Anhänger den hinteren Teil des Nationalparks er-fahren. Erfahren habe ich ihn wirklich und zwar mit einer Schürfwunde am rechten Oberschenkel. Über den Lichtenhainer Wasserfall und Neumannmühle war ich durch den Großen Zschand am Zeughaus vorbei in Richtung Goldsteinaussicht unterwegs. Dort hatte man eine geniale Aussicht auf den Großen Zschand, die Thorwalder Wände und die Partschenhörner. Eigentlich wollte ich weiter zum Großen Winterberg, aber wieder einmal bewog mich das Wetter zur Umkehr. Die steilen Abfahrten und das schmierige Gelände aufgrund der Regenfälle zwangen mich bei der Talfahrt mehrere Male Bodenkontakt zu suchen und mir oben genanntes Andenken auszusuchen. Auf dem Rückweg sah ich des öfteren die Kirnitschtalbahn, die seit über hundert Jahren Touristen von Bad Schandau zum Lichtenhainer Wasserfall fährt. Tropfnass bis auf die Haut kam ich nach 50 km wieder Zuhause an.

Da sich das Wetter am Spätnachmittag wieder gebessert hatte, machten wir zum Abschluss des Tages noch einen Abstecher in die hintere Sächsische Schweiz nach Hinterhermsdorf, wo bereits seit mehr als 120 Jahren auf mit Stauwehren angestauten Bächen romantische Kahnfahrten für damalige „Sommerfrischler“ und heutige Touristen angeboten werden. Die Stauwehre dienten früher zum Flößen von Holz aus den entlegenen Gebieten in Richtung Elbe, heute haben sie eine reine fremdenverkehrstechnische Funktion. Wir waren allerdings nicht per Boot unterwegs, sondern wir genossen die Ruhe und Abgeschiedenheit der hinteren Sächsischen Schweiz mit unserem Laufkinderwagen. Hinterhermsdorf, 1999 das schönste Dorf Sachsens, liegt sehr malerisch, ist wunderschön renoviert und besitzt ein Heimatmuseum in einem Umgebindehaus. Diese Art Häuser besteht aus einer Blockstube mit Umgebinde und einem Fachwerkobergeschoß. In Hinterhermsdorf gibt es allein über 60 dieser Häuser. Im liebevoll arrangierten Museum, dass von Idealisten geführt wird, konnten wir uns von der ärmlichen Lebensweise der früheren Landbewohner überzeugen. Die Ruhe und Abgeschiedenheit, die wir hier vorfanden, hat uns total gut gefallen.

Am Montag besuchten wir auf der Heimfahrt die Bastei, ein wunderschönes Aussichtsplateau 317m hoch über der Elbe. Auch hier zeigte sich das Wetter von zwei Seiten. Erst strahlender Sonnenschein, dann ein Wolkenbruch und Platzregen ohne Ende. Die Menschenmassen konnten gar nicht schnell genug flüchten. 10 Minuten später schien die Sonne, als wäre nichts geschehen. Der später einsetzende Dauerregen verfolgte uns auf unserer Heimreise bei grauslichen 16 0C dann bis nach Hause, aber das konnte uns ja egal sein, da sich der Regen im Auto sitzend viel einfacher ertragen läßt als auf dem Fahrrad.

Unsere nächste Reise haben wir schon geplant. Diesmal fahren wir mit Wohnmobil, Fahrrädern und Chariot nach Südfrankreich, in die Provence. Dort können wir unsere Bergkenntnisse noch einmal verbessern und ich werde mich mal an den Mont Ventoux wagen (wahrscheinlich aber erst einmal ohne Anhänger...).

Unseren Chariot Comfort DeLuxe haben wir alle miteinander schon jetzt liebgewonnen. Carmen-Maria wegen des roten Fähnchens, weil man so viel von der Gegend sieht, im Hänger so schön spielen und schlafen kann. Mami, weil Papi nun nicht mehr soo schnell fahren kann und frau viele Dinge in den Kofferraum laden kann und Papi weil wir jetzt wieder einen viel größeren Aktionsradius haben, weil uns und der Kleinen ein Regen nichts mehr anhaben kann, weil er im Fahrbetrieb so super easy zu bewegen ist, weil er multifunktional ist, weil er so schnell und praktisch aufzubauen ist, weil... einfach ein Chariot halt.

N. Ehehalt

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